Bildung, Arbeit, Leistungslogik

Es gibt einen Satz, der in seiner Alltäglichkeit so unauffällig ist, dass wir ihn kaum noch hören: Ich war heute sehr produktiv. Der Satz klingt wie eine Beschreibung. Er ist eine Rechtfertigung. Er sagt nicht nur: Ich habe heute viel getan. Er sagt: Ich habe heute meinen Platz verdient. Produktivität ist in der modernen Leistungsgesellschaft keine wertfreie Eigenschaft, die manche Tätigkeiten haben und andere nicht. Sie ist eine moralische Kategorie – der Maßstab, nach dem der Wert einer Person bemessen wird. Wer produktiv ist, ist gut. Wer es nicht ist, schuldet eine Erklärung.    weiterlesen

Aufmerksamkeit ist die Grundwährung der digitalen Ökonomie. Werbemärkte, soziale Netzwerke, Streaming-Plattformen, Nachrichtendienste – sie alle konkurrieren nicht um Geld, sondern um Zeit und Konzentration. Das Geschäftsmodell lautet: Aufmerksamkeit wird eingesammelt und an Werbekunden verkauft. Der Mensch ist nicht Kund:in, er ist Produkt. Und wie jedes Produkt wird er optimiert – nicht für seine eigenen Zwecke, sondern für die Zwecke derer, die seine Aufmerksamkeit verwerten wollen. weiterlesen

Was wäre Arbeit, wenn sie nicht primär Verwertung wäre? Diese Frage klingt utopisch, aber sie hat eine lange Tradition – in der Philosophie der Arbeit ebenso wie in der Geschichte der Arbeitsbewegung, in feministischer Ökonomie ebenso wie in der Degrowth- oder Postwachstums-Bewegung, die das Wohlergehen aller zum Ziel hat und die ökologischen Lebensgrundlagen erhält. Sie ist keine Frage nach dem Ende der Arbeit, sondern nach ihrer Neudefinition: Arbeit nicht als das zu verstehen, was Kapital produziert, sondern als das, was Menschen tun, wenn sie ihre Fähigkeiten in die Welt einbringen. weiterlesen

Inklusion ist das meistverwendete und meistmissverstandene Wort in der sozialpolitischen Debatte um Behinderung und Neurodivergenz. Es hat den Weg in Verfassungen, UN-Übereinkommen, Koalitionsverträge und Leitbilder von Institutionen gefunden, die sich seine Bedeutung nicht im Entferntesten zu Ende gedacht haben. Inklusion klingt nach Öffnung, nach Einschließen, nach dem Ende des Ausschlusses – und in der Praxis bedeutet es allzu oft: Wir lassen euch dazu, aber ihr müsst euch anpassen. Wir machen die Tür auf, aber den Raum lassen wir, wie er ist. Das ist keine Inklusion. Das ist eine höflichere Form der Exklusion. weiterlesen