Jede Gesellschaft erzählt sich Geschichten darüber, wer normal ist und wer nicht. Diese Geschichten erscheinen nicht als Geschichten – sie erscheinen als Selbstverständlichkeiten, als Hintergrundgeräusch, als der unsichtbare Standard, gegen den alles andere gemessen wird. Keine Redaktion entscheidet bewusst, dass Protagonist:innen eines Films sozial kompetent, körperlich unversehrt, emotional reguliert und linear denkend zu sein haben. Es ist einfach so. Es war immer so. Und weil es immer so war, hält es sich selbst aufrecht – als das, was es angeblich bloß beschreibt: die Normalität. weiterlesen
Demokratie, in ihrer besten Version, ist das Versprechen, dass verschiedene Perspektiven miteinander ringen können – und dass aus diesem Ringen etwas entsteht, das keine Perspektive allein hätte denken können. Dieses Versprechen setzt voraus, dass alle Perspektiven im Raum sind. Dass niemand systematisch aus dem Gespräch ausgeschlossen wird. Dass die Bedingungen der Teilhabe so gestaltet sind, dass nicht nur diejenigen gehört werden, die bereits wissen, wie wir in diesem Raum gehört werden. In dieser Logik ist Neurodiversität keine Randnotiz der Demokratie. Sie ist eine Prüfung ihrer Ernsthaftigkeit. weiterlesen