Es gibt einen Moment, den viele neurodivergente Menschen kennen und der sich schwer erklären lässt: Wir sind mit einem Menschen zusammen, den wir lieben. Der Abend ist nicht schlecht. Aber irgendwann – ohne erkennbaren Auslöser, ohne Streit, ohne dass etwas Falsches gesagt wurde – ist er weg. Nicht körperlich. Aber innerlich ist eine Tür zugegangen. Der Kopf hat abgeschaltet, das Gespräch kommt nicht mehr an, die Stimme des anderen klingt wie durch Wasser. Wir sind überladen. Nicht mit dem anderen. Mit allem. Und der andere, der das nicht weiß, fragt: Stimmt etwas nicht mit dir? Habe ich etwas getan? weiterlesen
Es gibt ein Gespräch, das viele neurodivergente Menschen kennen und das immer wieder enttäuscht. Wir erklären etwas – wie es sich anfühlt, in einem lauten Raum zu sein, warum eine bestimmte Aufgabe unverhältnismäßig schwer ist, warum der Tag, der für andere normal war, für einen selbst am Rand der Erschöpfung endete. Die andere Person hört zu. Nickt. Sagt vielleicht: Ja, das kenne ich auch, ich bin manchmal auch überfordert. Oder: Du musst einfach besser aufpassen. Oder, mit echter Freundlichkeit: Ich verstehe das. Und wir wissen: Sie versteht es nicht. Nicht wirklich. Und wir wissen auch, dass das nicht ihre Schuld ist. weiterlesen
Es gibt einen Bruchteil einer Sekunde, in dem etwas aus einem herausbricht, bevor der Verstand die Chance hatte, es zu formen. Kein Abwägen, kein Einordnen, kein Abmildern. Ein Satz steht im Raum – scharf, roh, unverkleidet. Und dann ist die Stille danach ganz anders als die Stille davor.
Impulsivität wird meistens als Defizit beschrieben. Als etwas, das wir in den Griff bekommen müssen, das trainiert, gezügelt, durch Atemübungen und Pausentechniken domestiziert werden soll. Die Ratgeberliteratur ist voll davon. Warte fünf Sekunden. Atme. Frage dich, ob du das wirklich sagen willst. Als ob das Ungeformte immer das Falsche wäre. weiterlesen